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Die Unterschiede zwischen Fotografieren im RAW und JPEG Format

Welche Vorteile bringt das Fotografieren im RAW-Format? Worauf ist hier zu achten und welche Nachteile entstehen bei RAW?

Die Unterschiede zwischen Fotografieren im RAW und JPEG Format Foto: xyfoto.de
24.01.2015

Häufig stellt sich die Frage, warum man im RAW Format fotografieren soll und welche Vorteile sich daraus ergeben. Dazu sollte man sich aber vorab informieren, wie sich RAW definiert und was das Arbeiten damit bedeutet.

Wie funktionieren RAW Bilddaten?

RAW Bilddaten werden häufig auch digitale Negative genannt. Sie beinhalten sämtliche Bildinformationen, die vom Kamerasensor aufgezeichnet werden und das gemeinsam mit Bildmetadaten wie Kameraidentifikationen und Einstellungen sowie Informationsmaterial über die genutzte Linse und so weiter. Das Schreiben der RAW Datei erfolgt auf unkomprimierte Weise und verlustfrei auf der Speicherkarte.

 

Der Vorteil des Fotografierens mit RAW 

Einer der wichtigsten Vorzüge von RAW Dateien gegenüber dem JPEG besteht darin, dass auch nachträglich noch die Möglichkeit der Einstellungsveränderung besteht. Sowohl Weißabgleich wie auch der Farbton der Aufnahmen oder das Scharfzeichnen wird beim RAW nicht in das Bild eingebrannt. 

Bildbearbeitung RAW-Format DSLR Foto: © "xyfoto.de"

 

RAW Datei mit Meta-Datei Foto: © "xyfoto.de"

Anstelle dessen erfolgt die Speicherung der Einstellungen separat, was dafür sorgt, dass auch noch nachträgliche Veränderungen vorgenommen werden können. Häufig legen Bildbearbeitungsprogramme hierfür eine separate Metadatei mit dem gleichen Namen und anderer Dateiendung an. 

 


Die Bildqualität leidet unter den nachträglichen Veränderungen nicht. Das hat für den Fotografen den Vorteil, dass er sich voll auf das Fotomotiv selbst konzentrieren kann und beispielsweise den Weißabgleich komplett vergessen kann. Wer in JPEG fotografiert, hat hier einen Nachteil und muss bereits beim Foto selbst die Einstellungen berücksichtigen.

 

Die Bildqualität

Ein weiterer Vorzug, den RAW bietet, liegt in der deutlich größeren Tonwertbandbreite mit 12- oder 14-bit. Bei JPEG steht nur die Einstellung 8-bit zur Verfügung. Das führt nicht unweigerlich dazu, dass die Qualität des Bildes bei RAW bessert ist und dass diese höhere Qualität vor allem sofort mit dem bloßen Auge erkennbar ist. Allerdings hat es zur Folge, dass eben die Freiheiten in der nachträglichen Bildbearbeitung auch in diesem Bereich ohne wesentliche Qualitätsverluste umsetzbar ist.

Aber es gibt auch Nachteile, in RAW zu fotografieren

Wenn RAW so wesentlich Vorteile gegenüber JPEG hat, warum wird dann nicht immer und überall in RAW fotografiert? Ganz einfach, weil RAW als ideale Variante abhängig vom verfügbaren Speicherplatz, den individuellen Bildbearbeitungsprozessen und auch dem verwendeten Kameramodell eben nicht immer die ideale Wahl ist.

 

Die Dateigröße

Speicherplatz auf der Kamera Foto: © "xyfoto.de"

Fakt ist, dass die hochwertigeren RAW Dateien deutlich größer ausfallen als die Dateien im JPEG-Format. Ein Foto im RAW hat beispielsweise ein Volumen von 10 MB – 30 MB, während es in JPEG-Format lediglich zwischen 2 und 4 MB nutzt. Das wiederum bedeutet, dass das Fotografieren in RAW die Speicherkarte einer Kamera sowie auch die Festplatte auf dem Computer deutlich schneller füllt. Wer beispielsweise 500 Bilder monatlich erstellt, füllt damit im JPEG-Format 16 GB, nutzt aber im RAW-Format über 60 GB Speicherplatz.

Die größeren Dateien bringen auch Nachteile, wenn die Kamera beispielsweise im sogenannten kontinuierlichen Auslösemodus genutzt wird. Je nach Geschwindigkeit, in der die Kamera die Übertragung vom internen Puffer auf ein Speichermedium wie beispielsweise die SD-Karte vornimmt, kann sich die Übertragungsrate im RAW schnell von sieben auf fünf Bilder je Sekunde reduzieren. 


Weiterhin reduziert sich im RAW-Format auch die Gesamtanzahl der Bilder, die durch die Kamera kontinuierlich aufgezeichnet werden kann, möglicherweise sogar von 30 Bildern auf nur noch acht Bilder. Ist der Kamerapuffer im RAW ausgeschöpft, muss der Nutzer nun vor dem weiteren Fotografieren darauf warten, dass die Daten auf die Speicherkarte übertragen wurden. Erst dann steht die Kamera wieder zur Verfügung.

 

Das Dateiformat

Wer Bilder im RAW-Format anzeigen oder bearbeiten möchte, muss sich zunächst eine spezielle Software anschaffen. Im Gegensatz dazu können JPEG-Dateien in vielen Standardprogrammen angezeigt werden, die auch beispielsweise von Microsoft Windows automatisch mitgeliefert werden. Angenehm ist allerdings, dass RAW Dateien nachträglich mit einer entsprechenden Software in JPEG-Dateien oder TIFF-Dateien exportiert werden können. 


Um RAW-Bilder anzuzeigen werden meist von den Kameraherstellern Treibersoftware mitgeliefert oder kostenlos im Internet zum Herunterladen angeboten. So können die mit der Kamera erstellten RAW-Bilder in den Standardbildanzeigeprogrammen betrachtet werden. 

 

Weitere Arbeitsschritte

Bevor RAW-Dateien im Web zur Anwendung kommen, müssen sie zunächst in JPEG oder andere gängige Dateiformate wie TIFF oder PNG konvertiert werden. Wer bereits mit RAW arbeitet, hat wahrscheinlich schon festgestellt, dass die Fotos in JPEG-Format einfach besser aussehen als die, die im RAW-Format aufgezeichnet wurden. Der Grund liegt darin, dass die Kamera die JPEG-Fotos schon innerhalb der Kamera auf Basis der individuellen Einstellungen bearbeitet. Somit werden sowohl das Scharfzeichnen wie auch der Weißabgleich oder die Farbtonkorrektur im JPEG-Format schon innerhalb der Kamera umgesetzt, damit die Ergebnisse so gut wie möglich werden.

Die Bilder im RAW-Format kommen dagegen völlig unbearbeitet aus der Kamera und der Nutzer muss nachträglich mittels Software die Bearbeitung vornehmen. Einige Programme haben Einstellungen und Bearbeitungsschritte schon abgestimmt auf das individuelle Kameramodell vordefiniert und die Einstellungen können dann automatisch innerhalb der Importierung der Bilder genutzt werden.

 

Foto in Orginal-RAW-Format ohne jeglicher Bearbeitung:

RAW-Format Kamera Vergleich Foto: © "xyfoto.de"

 

Foto mit minimaler Bearbeitung. Lichter, Schärfe und Helligkeit wurden angepasst:

RAW-Format Kamera Vergleich Foto: © "xyfoto.de"

 

Foto mit starker Bearbeitung. Neben Lichter, Schärfe und Helligkeit wurden auch Farbwerte verändert:

RAW-Format Kamera Vergleich Foto: © "xyfoto.de"

 

Foto mit übertriebener Bearbeitung. Farbton und Farbtemeperatur wurden komplett geändert:

RAW-Format Kamera Vergleich Foto: © "xyfoto.de"

 

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