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Spiegelreflex-Kamera Basics #3: Den richtigen ISO-Wert in der digitalen Fotografie einstellen

Was ist der ISO-Wert und welche Auswirkungen hat dieser auf das Bildergebnis?

Spiegelreflex-Kamera Basics #3: Den richtigen ISO-Wert in der digitalen Fotografie einstellen Foto: ap - xyfoto.de
10.01.2015

Neben der Belichtungszeit und der Blende ist der ISO-Wert einer der drei Hauptfaktoren in der Fotografie. Zwar können mit dem ISO-Wert keine besonderen Effekte wie bei den anderen zwei Faktoren erzeugt werden, trotzdem ist es essentiell zu wissen, wie der ISO eingestellt wird und welche Vor- und Nachteile hohe oder niedrige ISO-Werte haben.

ISO in der digitalen Fotografie

Mit dem Einzug der digitalen Fotografie wurde es deutlich einfacher auf wechselnde Lichtverhältnisse zu reagieren. Hier wird nicht die Empfindlichkeit des Films, sondern die des Sensors als ISO-Wert bezeichnet. Für Fotografen bringt das natürlich viele Vorteile mit sich. Vor jeder Aufnahme kann der ISO-Wert neu eingestellt werden, sodass auch auf kleinste Veränderungen des Lichtes entsprechend reagiert werden kann. Die Folge sind bessere Fotos, die weder zu hell noch zu dunkel sind, egal ob sie am Strand oder beim gemütlichen Abendessen aufgenommen wurden. 


Die meisten Einsteiger verlassen sich dabei auf den Automodus, den jede DSLR mit sich bringt. Dabei überlässt man der Kamera die Entscheidung über die Einstellung der Lichtempfindlichkeit. 
Für Tageslichtaufnahmen bietet der Auto Modus in der Regel annehmbare Ergebnisse. Darüber hinaus hat er den Vorteil, dass er schnelle Entscheidungen zulässt und auch Schnappschüsse mit guter Qualität verwirklicht werden können. Stellt man den ISO-Wert selbstständig ein, so dauert natürlich auch die Entscheidungsfindung länger. 


Je dunkler die Umgebung ist, desto höher wird jedoch auch der ISO-Wert, was ab einer gewissen Höhe zu einem unerwünschten Bildrauschen führt. Wer das vermeiden möchte, sollte den Wert lieber selbst einstellen. Dafür benötigt man allerdings ein paar grundlegende Kenntnisse.

 

ISO-Werte bei DSLRs

Die meisten DSLR-Kameras bieten Standard-ISO-Werte, die 100, 200, 400, 800, 1600 und 3200 abdecken. Hochwertigere Modelle erlauben auch feinere Abstufungen und enthalten zum Beispiel Werte wie 125, 160, usw. 

 

Grundsätzlich gilt die Regel: Je dunkler die Umgebung, desto höher sollte die Lichtempfindlichkeit des Sensors, also auch der ISO-Wert sein. 


An einem sonnigen Tag kann man also gut mit ISO 100 fotografieren und dabei qualitative Ergebnisse erzielen. In dunklen Räumen mit schummrigem Licht bringen häufig nur ISO Werte wie 1600 und 3200 ausreichend helle Bilder. Wie bereits erwähnt, steigt dadurch aber auch das Bildrauschen an. Wer das vermeiden möchte, sollte also außerdem weitere Faktoren berücksichtigen, bevor er sich für einen ISO-Wert entscheidet. Dazu gehören zum Beispiel die optionale Nutzung eines Stativs um längere Belichtungszeit einzustellen und die Frage, ob es sich um bewegte oder feststehende Motive handelt. Auch kann mit der Blende oder dem Einsatz eines Blitzes ein zu hoher ISO-Wert vermieden werden.

Also Beispiel dient folgendes Foto, welches bei schlechten Lichtverhältnissen und ohne Stativ frei aus der Hand aufgenommen wurde. Mit einem ISO-800 konnte ein akzeptables Bild erstellt werden. 

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 800 Foto: © "ap - xyfoto.de"

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 800

Kamera:Sony Alpha 58
Objektiv:Sony SAL1855 3,5-5,6 / 18-55mm DT SAM
Verschlusszeit:0.4"
Brennweite:55mm
Linse:F5.6
ISO:800

Mit ISO-16.000 konnte zwar die Belichtungszeit verringert werden, wodurch das Foto weniger verwackelte und schärfer ist, jedoch ist durch den hohen ISO-Wert ein deutliches Rauschen zu erkennen.

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 16000 Foto: © "ap - xyfoto.de"

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 16000

Kamera:Sony Alpha 58
Objektiv:Sony SAL1855 3,5-5,6 / 18-55mm DT SAM
Verschlusszeit:1/15
Brennweite:55mm
Linse:F5.6
ISO:16000

 

ISO-100:

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 100

(Bild ist aufgrund der langen Belichtungszeit extrem verwackelt und unscharf):

ISO-1600:

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 1600

ISO-6400:

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 6400

ISO-16000:

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 16000

 

Bildrauschen mit längerer Verschlusszeit verhindern

Für ein ausreichend belichtetes Foto bei schlechten Lichtverhältnissen, das ohne Bildrauschen verwirklicht werden soll, kann zum Beispiel die Verschlusszeit oder Belichtungszeit verlängert werden. Verdoppelt man die Belichtungszeit, so fällt doppelt so viel Licht auf die Linse. Infolgedessen kann der ISO-Wert problemlos halbiert werden. Das Ergebnis ist ein gleich helles Bild, wie bei doppeltem ISO-Wert und halber Belichtungszeit.


Allerdings ergeben sich hierbei andere Widrigkeiten. Wenn die Kamera länger belichtet, muss sie während des gesamten Vorgangs ruhig gehalten werden, was für die menschliche Hand für die benötigten Belichtungszeiten kaum möglich ist. Für eine solche Aufnahme muss also ein Stativ genutzt werden. 

 

Foto mit einem ISO von nur 100. Wie? Mit einer Belichtungszeit von 30 Sekunden und einem Stativ:

Karlsruhe bei Nacht Foto: © "ap - xyfoto.de"

Karlsruhe bei Nacht

Kamera:Sony Alpha 58
Objektiv:Sony SAL1855 3,5-5,6 / 18-55mm DT SAM
Verschlusszeit:30"
Brennweite:18mm
Linse:F7.1
ISO:100


Hat man das nicht dabei, muss man in den sauren Apfel beißen, den ISO-Wert hoch einstellen, die Belichtungszeit niedrig und das Bildrauschen in Kauf nehmen. Alternativ gibt es natürlich die Möglichkeit das Blitzlicht einzuschalten. Dann können auch bei niedrigeren ISO-Werten rauschfreie Bilder in dunkler Umgebung verwirklicht werden. Allerdings gibt es viele Situationen, in denen das Fotografieren mit Blitzlicht entweder die Stimmung trübt oder sogar verboten ist. Das ist zum Beispiel häufig in Museen, Konzerten oder Kirchen der Fall. Eine einfache Einsteiger-Faustregel für die Einstellung des ISO-Wertes lautet: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Mehr dazu kann im dem Artikel „Fotografieren bei schlechtem Licht und ohne Blitz“ nachgelesen werden.

 

Bewegte und unbewegte Motive

Bewegte und unbewegte Motive bedürfen einer unterschiedlichen ISO-Einstellung. Bewegte Objekte, die scharf und exakt fotografiert werden müssen, bedürfen einer besonders kurzen Verschlusszeit. 

Wasserspritzer bei schlechten Lichtverhältnissen mit einem ISO-800 und einer Verschlusszeit von 1/400 Sekunde:

Wasserspritzer im See Foto: © "ap - xyfoto.de"

Den Moment eingefroren: Wasserspritzer im See durch Steine werfen.

Kamera:Sony Alpha 58
Objektiv:Sony SAL1855 3,5-5,6 / 18-55mm DT SAM
Verschlusszeit:1/400
Brennweite:35mm
Linse:F5.0
ISO:800


Daraus resultiert natürlich ein hoher ISO-Wert, damit das Bild ausreichend belichtet ist. Um bewegte Motive, zum Beispiel Sportler dynamisch darzustellen, kann der ISO-Wert aber auch heruntergeschraubt und die Verschlusszeit verlängert werden. Dadurch entstehen verwischte Bewegungen, die auf dem Foto deutlich sichtbar sind. Unbewegte Motive können jedoch mit einer kurzen Verschlusszeit aufgenommen werden. Der ISO-Wert hängt von der Helligkeit der Umgebung ab. 

 

Vor dem Fotografieren

Vor der Einstellung des ISO-Wertes stellen Sie sich am besten diese Fragen: 

- Licht: Wie sind die Lichtverhältnisse?
- Blitz: Kann ich einen Blitz verwenden?
- Rauschen: Möchte ich ein Foto mit viel oder wenig Bildrauschen?
- Stativ: Nutze ich ein Stativ?
- Bewegung: Fotografiere ich ein bewegtes oder feststehendes Motiv?

 

Fotografie-Tipps für Anfänger

Noch Anfänger in der Fotografie? Sie möchten mehr über perfekte Bilder, Spiegelreflexkameras und das Fotografieren lernen? Dann schauen Sie sich die Tutorials auf unser Fotografie‐Tipps für Anfänger Seite an. 

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