Tutorial

Fotografieren bei schlechtem Licht und ohne Blitz

Wie holen Sie das beste aus einem Motiv, wenn kein oder nur schlechtes Licht vorhanden ist und kein Blitz verwendet werden soll?

Fotografieren bei schlechtem Licht und ohne Blitz Foto: ap - xyfoto.de
11.01.2015

Digitale Fotografie ist einfach, wenn man massig Licht hat und die Verhältnisse ideal sind. Aber wie wir alle wissen, sind die Lichtverhältnisse meist nicht so, wie wir sie uns wünschen würden. In der digitalen Fotografie ist es essentiell, dass wir mit so viel Licht wie möglich arbeiten, sonst sind die Ergebnisse meist ziemlich enttäuschend.

Vielleicht kennen Sie das Problem z.B. von Hochzeiten, wo man während der Zeremonie wortwörtlich nicht ständig dazwischen funken will und einen der romantischsten Momente im Leben eines Menschen nicht mit einer Blitzorgie zerstören will. Allerdings sind genau das die unwiederbringlichen Momente, die auf Anhieb perfekt eingefangen werden müssen. Nehmen wir ein anderes Beispiel, in dem uns ein Blitz stören würde. Unangebracht ist ein Blitz auch, wenn jemand ein Instrument spielt, eine Rede hält oder Sie vielleicht nicht möchten, dass sich Zuschauer zu Ihnen mit empörten Blicken umwenden. Also stellt sich die Frage, wie man tolle Digitalfotos bei schlechten Lichtverhältnissen schießt, ohne eine Blitz benutzen zu müssen. Natürlich bekommt man es hin. Aber wie überall im Leben gibt es für kein Problem die perfekte Lösung.

Kein Blitz möglich

Der Blitz ist und bleibt nun mal unsere Rettung in allen Situationen, wo wir nur mäßige Lichtverhältnisse vorfinden. Aber der Blitz kann dennoch nicht unsere einzige Lösung für das Problem sein. Schließlich arbeiten wir alle kreativ. Nicht nur, dass ein Blitz einen geselligen, vielleicht sogar musischen Moment dahin raffen kann. Stellen Sie sich z.B. vor, Sie möchten die Schönheit Ihrer Liebsten, wie sie sich gerade in gedämpftem Licht räkelt, einfach schnell festhalten. Ein Blitz würde dem Moment die Intimität nehmen. Doch nicht nur, dass der Blitz ein Romantikkiller ist, er plättet auch Ihr digitales Bild. Dies gilt besonders für den eingebauten Blitz Ihrer Digitalkamera. In dem der (eingebaute) Blitz nur die Vorderseite Ihres Objekts belichtet, wird die Tiefe Ihrer Digitalfotografie komprimiert. Wenn Sie Ihrem Bild die Tiefe nehmen, ist das meist ein hoher Verlust an der Schönheit am Objekt.



Man kann diesen Umstand bis zu einem gewissen Grad umgehen. Es kommt dabei ganz auf Ihr Objekt an. Sie müssen zunächst prüfen, wie das vorhandene Licht auf Ihr Objekt fällt. Wer die Kunst des Blitz-weg-lassens erlernen will, muss ein Gefühl für vorhandenes Licht bekommen. Beobachten Sie, wie Lichtquellen Ihre Umgebung in Licht hüllen. Sie werden schon bald ein Auge dafür bekommen, was funktioniert und was nicht funktioniert. 

Erhöhung des ISO-Wertes

Eine Möglichkeit gegen widrige Lichtverhältnisse an zu kämpfen, ist es, seinen ISO-Wert zu erhöhen. Ihr ISO ist der Wert an Empfindlichkeit für den Lichteinfall an Ihrem Sensor. Nehmen wir hierfür den Vergleich traditioneller Fotografie mit digitaler Fotografie. Der ISO bei der alten Fotografie war schlicht und einfach die Empfindlichkeit des Films. 

 

Beispiel: Um bei gleichen Lichtverhältnissen ein gleich helles Bild zu erhalten benötigen Sie bei einem ISO 100 eine deutlich längere Belichtungszeit. Dies führt ohne Stativ schnell zu einem unscharfen Bild. Mit ISO 800 kann eine kürze Belichtung gewählt werden und Sie erhalten dadurch ein deutlich besseres Resultat.

 

Bild mit ISO 100 und Belichtung von 20 Sekunden:

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 100 Foto: © "ap - xyfoto.de"

 

Bild mit ISO 800 und Belichtung von 0,4 Sekunden:

Foto mit schlechten Lichtverhältnissen und ISO 800 Foto: © "ap - xyfoto.de"

Rauschreduzierung mit Bearbeitungsprogrammen

Der einzige Rückschritt in der digitalen Fotografie ist, dass der erhöhte ISO ein Rauschen mit sich bringt, weswegen normalerweise ein möglichst geringer ISO-Wert  zu empfehlen ist. Zum Glück gibt es aber Bearbeitungsprogramme, die Ihrem Bild auch im Nachhinein noch die nötige Schärfe verleihen können. Es gibt hierfür zwei gute Softwares namens  „NDNoise“,  "Neat Image" und "Noise Ninja".

Wenn der ISO nicht hochgestellt wird, wird eine längere Belichtungszeit benötigt. Dadurch wird jedoch ein weiteres Problem auf Sie zukommen. Ihr Bild wird schneller verwackeln, wenn Sie nicht gerade ein Stativ zur Hand haben. Deswegen ist oft das kleinere Übel den ISO hochzustellen. Denn ein Bild mit Rauschen ist besser als ein verwackeltes Bild oder gar kein Bild.

 

Dieses Bild wurde bei schlechten Lichtverhältnissen aufgenommen. Dafür wurde ein relativ hoher ISO-Wert (1600) eingestellt. Da das Bild in RAW geschossen wurde, konnte es danach noch mit einem Bildbearbeitungsprogramm heller gemacht werden:

Kirche in Heidelberg mit schlechten Lichtverhältnissen Foto: © "ap - xyfoto.de"
Kirche in Heidelberg an Weihnachten Foto: © "ap - xyfoto.de"

 

Ein höherer ISO erlaubt es Ihnen also in schlechten Lichtverhältnissen recht gute Ergebnisse zu erzielen. 


Für den Anfang können Sie es auch einmal mit Ihrem automatischen ISO versuchen, dieser wird sich aber unter Umständen melden um Ihnen zu sagen, dass Sie den ISO noch manuell höher drehen müssen, oder Sie merken selber, dass er noch zu niedrig war. Wie bei allem in der Fotografie, heißt es erstmal ausprobieren, üben, wiederholen. Schließlich hatten Sie auch schon vorher Ihren eigenen Geschmack, was den Grad an Intensität Ihrer Belichtung anbelangte.

 

Tips & Tricks in Kürze: 

Wenn Sie einmal, aus was für Gründen auch immer, keinen Blitz benutzen können oder möchten: 
1) Schrauben Sie Ihren ISO-Wert so hoch Sie können
2) Wenn möglich schießen Sie RAW 
3) Wählen Sie die Belichtungsautomatik "A" (Blendenpriorität) an Ihrem Wählrad mit der niedrigsten Blendenzahl (z.B. F1.8) die Sie mit Ihrem Objektiv einstellen können.
4) Benutzen Sie Programme, um das Rauschen zu reduzieren.

 

Interessante Artikel

Tutorial

 Was ist Exif?

Was ist Exif?

Wie können die Bild-Metadaten genutzt und ausgelesen werden?

Exif ist ein Standardformat, mit dem Metadaten von digitalen Bildern abgespeichert werden können. Obwohl dieser Begriff vielen Anfängern nicht geläufig sein wird, handelt es sich um ein sehr nützliches und dennoch unkompliziertes Utensil in der digitalen Fotografie, das gerade für Anfänger einen großen Nutzen hat. Exif ist die Abkürzung für Exchangeable Image File.

weiterlesen »

Testbericht

Test Canon EOS 700D digitale Spiegelreflexkamera im Test

Canon EOS 700D digitale Spiegelreflexkamera im Test

Spiegelreflexkamera-Mittelklasse: Würdige Nachfolgerin der 650D und größere Schwester der 100D

Im Gegensatz zur EOS 100D, ihrer kleinen Schwester, besitzt die 700D recht üppige Gehäuseabmessungen. Durch die kräftig ausgeformte Daumenmulde und den weit nach vorne gezogenen Handgriff liegt sie gut in der Hand. Der Auslöser liegt perfekt unter dem rechten Zeigefinger, eine kleine Bewegung nach hinten ist ausreichend um das Einstellrad zu bedienen.

zum Test »