Tutorial

Drittel-Regel in der Fotografie

Goldener Schnitt oder Drittel-Regel: So gelingen interessante Fotos

Drittel-Regel in der Fotografie Foto: xyfoto.de
23.01.2015

Wer gerne und viel fotografiert, der kennt bestimmt das Phänomen, dass das Foto anders auf den Betrachter wirkt, als das Motiv beim Fotografieren. Das liegt meist daran, dass man sich bei der Motivsuche noch keine klaren Gedanken darüber gemacht hat, wie später das Foto aussehen soll.

Ganz inspiriert von einem Gebäude, der Landschaft oder einer Person wird darauf los fotografiert. Erst danach wundert man sich, dass, dass die Fotos nicht den gewissen Aha-Effekt hervor rufen. Was kann die Ursache sein? 

Drittel-Regel


Angehende Digitalfotografen lernen sie schon zu Beginn ihrer Ausbildung kennen, die "Drittel-Regel". Diese Regel bildet die Grundlage für schöne ausgewogene, vor allem aber interessante Aufnahmen. 


Um eine harmonische Darstellung zu erreichen, teilt man den Bildausschnitt durch zwei horizontale und zwei vertikale Linien, die dann neun gleichgroße Abschnitte entstehen lassen. Viele Kameras haben diese visuelle Einteilung als Hilfslinien, die über den Live-View eingeblendet werden können und bei der Positionierung helfen.

Drittel Regel beim Fotografieren (Goldener Schnitt) Foto: © "xyfoto.de"

Beispiel-Bild: Die Linien liegen fast auf der Horizont-Linie. Dadurch wirkt das Bild harmonischer. Die Fabrik liegt mitten auf den Schnittlinien.


Nun können die verschiedensten Motive ausgewählt und an den Linien ausgerichtet werden. Keinesfalls sollte die wichtigsten Objekte in die Mitte gerückt werden. Besser ist die gestalterische Anordnung an diesen Linien, besonders dann, wenn man auf bestimmte Dinge aufmerksam machen möchte oder in den Augen der Betrachter besonders hervorgehoben werden sollen. 

 

An den Linien der Natur und Umwelt orientieren

Bei den Landschaftsfotos sollte man an den horizontalen Linien die Ausrichtung von Himmel oder den Bergen vornehmen, sodass visuell eine Unterteilung entstehen kann. So wird der wichtige oder gewünschte Ausschnitt richtig präsentiert. 

Das Anglerboot wurde beidem Bild auf der linken Ecke platziert, wodurch es leicht betont wird und das Bild interessanter wirkt, als wenn das Boot in der Mitte wäre. Der Horizont ist beinahe auf einer Hilfslinie.

Drittel Regel beim Fotografieren (Goldener Schnitt) Foto: © "xyfoto.de"


Mittig ausgerichtete Motive wirken oft unharmonisch und langweilig. Nur mit der Ausrichtung auf Grundlage der Drittel-Regel können orginelle und einzigartige Fotos komponiert werden. 

Der Goldene Schnitt

Um diesen Effekt wussten schon die bekannten alter Meister, wie Rembrandt, Dürer oder Giorgione, eigentlich Giorgio da Castelfranco, der mit der "Schlummernden Venus" die Drittel-Regel ausnutzt und so das Bild besonders interessant machte. Bei den alten Meistern spricht man eher von der Regel des "Goldenen Schnitt", der ebenfalls festlegte, wie Personen, Gegenstände oder Landschaften auf den Bildern platziert werden sollten, damit sich dem Betrachter ein möglichst harmonischer Anblick bietet. 


So liegt die "Schlummernde Venus" mehr im unteren Drittel des Bildes und bildet so den Hauptfokus, während die Gebäude und die Landschaft mehr eine Art schmückendes Beiwerk darstellen. So wird für alle ersichtlich, dass die Profis nach der Drittel-Regel oder dem Goldenen Schnitt fotografieren oder malen.

 

Regeln beachten und brechen

Schloss in Karlsruhe bei Nacht Foto: © "ap - xyfoto.de"

Drittel-Regel gebrochen: Das Motiv ist mittig

Aber wie es auch im Leben ist, Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden. Das heißt aber nicht, dass die Bilder, die man ohne die Drittel-Regel gemacht hat, schlechter sein müssen. Auch hier spielt das ausgesuchte Motiv eine nicht zu unterschätzende Rolle und Fotografen sollten im Vorfeld schon sicherstellen, dass die Bilder umso effektiver werden, je weniger man die Regel beachtet. 


Auch hier können die Fotografen durch das Experimentieren viele schöne Beispiele schaffen, die den Betrachter begeistern können. Dennoch arbeiten viele Fotografen bewusst mit der Drittel-Regel, so werden diese Bilder ansprechender und je nach dem Einsatzgebiet des Fotografen und der Bilder, die von ihm erwartet werden, können sie inspirieren, begeistern oder auch überzeugen.


Das ist besonders für Fotografen wichtig, die beruflich verschiedene Motive in Szene setzen müssen. Wenn es noch einigermaßen leicht ist, Landschaften zu fotografieren, so wird es schon problematischer, Personen ins rechte Licht zu rücken. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn auch die Lichteffekte sollten beachtet werden. 


Möchte man seine abzulichtende Person an den vertikalen Linien ausrichten, ist darauf zu achten, dass durch die Lichtverhältnisse die Person noch klar und vorteilhaft abgelichtet werden kann. 


Möchte man einen alten stattlichen Baum fotografieren, der mitten auf einer Wiese steht und sie durch seinen außergewöhnlichen Wuchs beherrscht, dann sollte man auch hier nicht die mittige Darstellung wählen, sondern lieber nach der Drittel-Regel fotografieren. Der Baum beherrscht dann primär eine Seite des Bildes und die sekundäre Sehenswürdigkeit wird automatisch dem Hauptmotiv Baum untergeordnet, wobei dieser "Rest" allerdings auch noch die Neugierde des Betrachters wecken kann. 

So können viele interessante Bilder eingefangen werden, egal ob man sich nach der Drittel-Regel ausrichtet oder seine eigenen Regeln aufstellt. Mit Hilfe vieler Bilder und verschiedenen Experimenten kann man dann seinen eigenen Stil und den richtigen Weg finden, der manchmal steil und steinig sein kann.


Aber auch bei der Fotografie ist es wie in jeder anderen Branche, man muss lernen, wie man seine Bilder gestalten sollte, damit sie beachtet werden. Die Darstellung der Personen, Häuser oder anderen Motiven muss auch erst erlernt werden, es gibt aber auch Menschen, denen das Fotografieren im Blut liegt und die ganz automatisch mit der Drittel-Regel arbeiten.

Interessante Artikel

Tutorial

 Was ist Exif?

Was ist Exif?

Wie können die Bild-Metadaten genutzt und ausgelesen werden?

Exif ist ein Standardformat, mit dem Metadaten von digitalen Bildern abgespeichert werden können. Obwohl dieser Begriff vielen Anfängern nicht geläufig sein wird, handelt es sich um ein sehr nützliches und dennoch unkompliziertes Utensil in der digitalen Fotografie, das gerade für Anfänger einen großen Nutzen hat. Exif ist die Abkürzung für Exchangeable Image File.

weiterlesen »

Testbericht

Test Canon EOS 700D digitale Spiegelreflexkamera im Test

Canon EOS 700D digitale Spiegelreflexkamera im Test

Spiegelreflexkamera-Mittelklasse: Würdige Nachfolgerin der 650D und größere Schwester der 100D

Im Gegensatz zur EOS 100D, ihrer kleinen Schwester, besitzt die 700D recht üppige Gehäuseabmessungen. Durch die kräftig ausgeformte Daumenmulde und den weit nach vorne gezogenen Handgriff liegt sie gut in der Hand. Der Auslöser liegt perfekt unter dem rechten Zeigefinger, eine kleine Bewegung nach hinten ist ausreichend um das Einstellrad zu bedienen.

zum Test »